Wer dieser Tage eine Wohnung sucht, hat es angesichts des knappen Wohnraums und hoher Mieten nicht leicht. Besonders schwierig gestaltet sich die Wohnungssuche für Studierende mit ihrem oftmals geringen Budget. Auch und gerade in Gießen mit der deutschlandweit höchsten Studierendendichte ist die Not groß. „Uns erreichen sehr viele Anfragen von verzweifelten Studierenden, die nach einer langen anstrengenden Suche nichts gefunden haben“, berichtet Gabriel Abdi vom Referat für Wohnen und Soziales des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Das UNIversum hat sich darum bei den verantwortlichen Stellen umgehört und nachgefragt, wie sie der studentischen Wohnungsnot begegnen wollen.

Lösungsansatz 1: Schaffung von neuem Wohnraum

Abhilfe bei der Wohnungssuche sollen für Studierende eigentlich die Wohnheime des Studierendenwerks Gießen schaffen, das neben der JLU auch für die Hochschule Fulda und die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) zuständig ist. An den drei Standorten Friedberg, Fulda und Gießen bietet das Studierendenwerk insgesamt 3.475 Apartments und Zimmer ab 217 Euro Warmmiete an, davon allein 2.678 in Gießen. Doch deren Kapazitäten scheinen langsam erschöpft, waren Mitte Mai dieses Jahres doch 95 Prozent der Gießener Wohnheimplätze belegt. 

Auf diese Entwicklung möchte das Studierendenwerk reagieren: „Unser Ziel ist, weiteren Wohnraum zu schaffen“, erklärt Eva Mohr, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Gemessen an den Studierendenzahlen sollen so zehn Prozent der Studierenden mit einem Wohnheimplatz ausgestattet werden. Trotz des derzeit im Bau befindlichen Wohnheims „Westside“, das am Standort Gießen ab dem nächsten Sommersemester 351 zusätzliche Plätze bieten wird, braucht es bei rund 48.000 Studierenden an der Hochschule Fulda, der JLU und der THM also noch mehrere hundert weitere Wohnheimplätze, um diese Versorgungsquote zu gewährleisten.

Neuen Bauvorhaben steht allerdings das Problem der Finanzierung gegenüber. „Wir sind dabei in jedem Fall auf Unterstützung angewiesen“, betont Eva Mohr. Eine finanzielle Förderung von Bauprojekten erhofft sich das Studierendwerk insbesondere durch das Land Hessen, von dem es darum eine Überarbeitung der hessischen Wohnraumförderrichtlinie fordert. „Verbesserungen sind aus unserer Sicht zum Beispiel hinsichtlich der Höhe der tatsächlichen Zuschüsse sowie der Begrenzung der Miethöhen erforderlich“, erläutert Mohr.

Lösungsansatz 2: Nutzung von bestehendem Wohnraum

Und wenn nicht genügend neuer Wohnraum geschaffen werden kann? „In einigen Städten existieren Programme, die eine Verbesserung des Wohnangebots ohne Neubau ermöglichen“, sagt Gabriel Abdi. Hierzu gehören laut Abdi Programme, bei denen Immobilieneigentümer:innen ein Zimmer zu günstigen Konditionen an Studierende vermieten und das Studierendenwerk im Gegenzug die Möblierung und bürokratische Abwicklung der Mietverträge übernimmt. In Gießen existiert ein solches Programm bislang nicht, ein entsprechendes Pilotprojekt des Studierendenwerks läuft derzeit aber in Friedberg: Dort mietet das Studierendenwerk Wohnraum von Privatpersonen an und vermietet es bei Übernahme der Möblierung und Hausmeisterdienste an Studierende weiter.

Ein anderes Mittel gegen die Wohnungsnot sind laut Gabriel Abdi Projekte, bei denen Studierende insbesondere ältere Menschen im Alltag unterstützen und im Gegenzug zu einer vergünstigten Miete oder sogar kostenlos in deren Immobilie mitwohnen können. Unter dem Namen „Wohnen für Mithilfe“ wurde ein solches Projekt bereits 2019 in Gießen ins Leben gerufen, zwischenzeitlich allerdings wieder eingestellt – laut Eva Mohr, weil das Programm „sowohl vonseiten der Studierenden als auch vonseiten der privat vermietenden Personen auf nur wenig Interesse gestoßen“ sei. Vor dem Hintergrund der angespannten Wohnungslage plädiert Gabriel Abdi jedoch für eine Wiederbelebung des Programms. Dabei sieht er nicht nur das Studierendenwerk, sondern auch die Stadt Gießen in der Verantwortung. „Eine Wiederbelebung ist mit Unterstützung der Stadt Gießen möglich“, fordert Abdi. Die Pressesprecherin der Stadt Gießen, Clauda Boje, teilt wiederum mit, dass die Stadt bislang nicht wegen einer Beteiligung an einem solchen Programm kontaktiert worden sei. „Wir sind offen für neue Ideen“, versichert sie jedoch, „und werden uns – wenn es passt – im Rahmen unserer Möglichkeiten auch engagieren.“

💡 WICHTIGE INFOS 💡

Das Studierendenwerk Gießen unterstützt Studierende auch dabei, auf dem privaten Wohnungsmarkt ein Zuhause zu finden. Auf seiner Website bietet das Studierendenwerk hierfür ganzjährig eine Wohnbörse an, auf der kostenfrei Wohnungsangebote und -gesuche eingestellt werden können. Diese ist zu erreichen unter https://www.stwgi.de/wohnboerse. 

Niklas Schonschek

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