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Demo gegen AfD-Jugend in Gießen: Friedlich, kreativ und bunt

Zehntausende zogen durch die Gießener Straßen, um gegen die Neugründung der AfD-Jugend zu demonstrieren.

Von Jana Mochmann, Niklas Schonschek, Selina Wößner

Am 29. November 2025 demonstrierten in Gießen zehntausende Menschen gegen die Neugründung der AfD-Jugend als Generation Deutschland in der Hessenhalle. Auf Social Media lag der Fokus im Anschluss häufig auf gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstrant:innen; Videos von Straßenblockaden oder dem Einsatz von Wasserwerfern gingen viral. Zweifelsohne gab es solche Ausschreitungen. Wir haben bei der Hauptkundgebung aber einen ganz anderen Eindruck bekommen.

Unsere Wecker klingeln morgens um halb 6. Als wir kurz darauf aufbrechen, ist es noch ruhig auf den Straßen Gießens. Und doch spüren wir, dass etwas anders ist als an einem normalen Samstagmorgen. Überall treffen wir auf kleine Gruppen von meist jungen Menschen, die das gleiche Ziel haben wie wir: den Bahnhof. Je näher wir diesem kommen, desto voller werden die Straßen. Von der historischen Bahnhofsbrücke aus erhaschen wir schließlich einen Blick auf den Bahnhofsvorplatz. Einem Ameisenhaufen gleich tummeln sich dort bereits tausende Demonstrant:innen.

Wir begeben uns in die Menschenmenge, schlängeln uns zwischen den Wartenden durch. An mehreren Stellen werden Reden gehalten. „Wir stehen heute hier vereint, laut und entschlossen, weil wir der AfD nicht das Feld überlassen!“, tönt es aus einem Mikrofon. Die Menge applaudiert. Auch Musik ist zu vernehmen: Gespielt werden das Partisanenlied Bella Ciao oder das von KZ-Insass:innen verfasste Moorsoldatenlied.

Der Bahnhofsvorplatz diente als Sammelpunkt für die Demonstrant:innen (Foto: Jana Mochmann).

Verschiedene Sichtweisen, gemeinsames Ziel

Die Gründe für eine Teilnahme am Protest, das geht aus den Redebeiträgen hervor, sind mannigfaltig. Während manche mehr Rechte für Queere fordern, nehmen andere Bezug auf den Krieg in Nahost. Auch Personen aus dem linksradikalen Lager, darunter Vertreter:innen der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands, hören wir. Sie sind nicht aus Chemnitz, sondern aus „Karl-Marx-Stadt“ angereist und wollen den „Kapitalismus als Wurzel des Problems bekämpfen“. Die Formel ⁠„Kein Fußbreit dem Faschismus“ wird oft geäußert und scheint alle Teilnehmer:innen zu einen.

Wenig später setzen wir uns mit dem Demonstrationszug in Bewegung. Sprechchöre wie „Ganz Gießen hasst die AfD“ begleiten den Protestmarsch. Auf Plakaten sind kreative Sprüche zu lesen: „Generation fickt euch“, „353 bleibt nazifrei“, „Gießen bleibt bunt“ und viele mehr. Manche Hausbewohner:innen an der Demonstrationsroute zeigen sich solidarisch, indem sie Banner oder Regenbogenflaggen aus den Fenstern gehangen haben. So ziehen wir bis vors Neustädter Tor.

Dort ist eine Bühne aufgebaut, auf der sich das restliche Rahmenprogramm mit Reden und Musik abspielen soll. Uns aber zieht es in Richtung der Sachsenhäuser Brücke. Dem Klang von Trommeln folgend, stoßen wir dort auf die Musikgruppe Rhythms of Resistance. Vor einer Polizeiabsperrung musizieren und tanzen die Mitglieder der Gruppe gemeinsam mit anderen Demonstrant:innen. Diese Kulisse spiegelt für uns den Grundgedanken des gesamten Protesttages wider: Gießen stellt sich friedlich, kreativ und bunt gegen Hass und Hetze.

Friedlicher Protest auf der Sachsenhäuser Brücke: Die Gruppe Rhythms of Resistance veranstaltete eine musikalische Tanzeinlage vor einer Polizeiabsperrung (Foto: Jana Mochmann).

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