Studierende haben sich am 22. Oktober vor dem Uni-Hauptgebäude versammelt. Sie positionierten sich gegen den hessischen Hochschulpakt und solidarisierten sich mit den hessischen Senaten, die in Gießen tagen.
Zum zweiten Mal treffen sich die Senate der 14 hessischen Hochschulen. Sie sprechen mit dem hessischen Wissenschaftsminister Timon Gremmels, unter dem der neue Hochschulpakt für 2026 bis 2031 auf den Weg gebracht wurde. Während im geheizten Unigebäude Kaffee ausgeschenkt wird, bringen ein Dutzend Studierende ihre Perspektive auf die Straße – beziehungsweise den Uni-Vorplatz. Einige Senatsmitglieder schließen sich der Kundgebung an. Das Gießener No-Cuts-Bündnis und die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatten dazu aufgerufen, gegen den Hochschulpakt zu protestieren. Die Teilnehmenden fordern, dass der Hochschulpakt neu verhandelt wird. Doch dafür bleibt am Ende des Tages wenig Hoffnung.
Wie in Hessen gekürzt wird
Die drei großen Themen der Kundgebung: Arbeitsbedingungen an der Uni, Zivilklausel, Sparpolitik. Alle Themen hängen in der ein oder anderen Form mit dem Hochschulpakt zusammen. Im Jahr 2025 liefen Verhandlungen zur Landesfinanzierung der Hochschulen zwischen der hessischen Landesregierung und den Hochschulen in Hessen. Das Ergebnis: ein rigoroser Sparkurs für die Hochschulen. Der JLU werden pro Jahr um die 25 Millionen Euro fehlen.
Die Präsidien der Hochschulen wählen unterschiedliche Umgänge mit der neuen Finanzierungslage. In einem Zukunftspapier schlägt das Präsidium der Frankfurter Goethe-Uni vor, 16 Fachbereiche auf sieben schrumpfen und bis zu 60 Professuren wegfallen zu lassen. An der Universität Kassel gibt es Diskussionen, die Zivilklausel zu lockern, mit der die universitäre Forschung auf zivile Zwecke begrenzt wird. Und an der Justus-Liebig-Universität wurden bisher mehr als 100 Stellen gestrichen, die Turkologie als Hauptfach eingestampft und die Rinderherde der Gießener Tiermedizin geschlachtet.

Studierende im Gespräch mit Timon Gremmels
Gegen die Sparpolitik regt sich studentischer und gewerkschaftlicher Widerstand. Seit Juli 2026 gibt es eine Ortsgruppe der GEW, die sich in und um Gießen engagiert. Sie vertritt die Interessen von jungen Menschen, die studieren, forschen oder in Pädagogik und Lehramt tätig sind oder sein wollen. Patricia Ruhland, die Sprecherin der Studierenden in Hessen, richtet die ersten Fragen an Timon Gremmels.
Wie werde die Kritik der Senate gehandhabt, wie werde gegen die prekären Arbeitsverhältnisse entgegengewirkt, wie viel Handlungsspielraum bleibe den Universitäten tatsächlich, wenn sie den Hochschulpakt wenig aktiv mitgestalten konnten? Das Mikro wandert an das offene Plenum, auch Petra Becker, Vorsitzende des Personalrats an der JLU, kritisiert den Pakt. Schließlich bliebe der Arbeitsaufwand an der Uni der gleiche, werde nur unter weniger Stellen verteilt. Gremmels geht mit den Protestierenden ins Gespräch, betont aber die Verantwortlichkeit der Universitäten beim Umsetzen des Hochschulpaktes. Und würde man den Hochschulpakt neu verhandeln, fiele das Ergebnis angesichts der heutigen finanziellen Lage schlechter aus, sagt Gremmels.
„Studierst du noch oder wurdest du schon weggekürzt?“
Neben der GEW tritt auch das No-Cuts-Bündnis, das sich im Februar 2026 gründete, in Aktion. Seinen Namen teilt das Bündnis NoCuts mit anderen Gruppen, die hessen- und deutschlandweit gegen Hochschulkürzungen protestieren. Sie stellen sich hinter eine freie, finanziell unabhängige und kritische Lehre und Forschung. In einer Rede appelliert Freddy von NoCuts Gießen an die Studierenden: „Informiert euch! Organisiert euch! Geht in Aktion!“ Wenn sich dem Kurs der rot-schwarzen Landesregierung niemand entgegen stelle, könne es nämlich schon bald heißen: „Studierst du noch oder wurdest du schon weggekürzt?“
Foto 1: Freddy vom No-Cuts-Bündnis richtet sich an die Teilnehmenden der Kundgebung. (Foto: Tim Maxem)
Zum Weiterlesen:
- Studierende fordern Neuverhandlung des Hochschulpaktes - 29. Oktober 2026
- DOK Leipzig: Wenn wir nicht lachen würden - 15. April 2026
- UNIversum unterwegs: Dokumentar- und Animationsfilmfestival Leipzig - 21. Februar 2026


