Deeva_Stress

Ob Schulstress, Unistress oder Stress im Büro – fast jeder kennt dieses unterschwellige Gefühl von Alarm. Und selbst wenn wir nichts zu tun haben, stressen wir uns, denn eigentlich könnten wir immer etwas Produktives machen. Stressgesellschaft – so lautet das Schlagwort, das Politikwissenschaftler Karl-Peter Fritzsche schon 1998 verwendete. Und auch 20 Jahre später bringt dieses Schlagwort es auf den Punkt.
Als Studierende kennen wir das. Die nächste Klausurenphase kommt unvermittelt näher und wir tun das, was wir am besten können: anstatt wie vorgenommen dieses Mal früher mit dem Lernen zu beginnen, drücken wir uns davor und lassen uns von Netflix und Co berauschen. Je näher die Klausuren rücken, und je mehr Aufgaben sich stapeln, desto deutlicher wird das Gefühl: Stress. Wir sind unruhig, können uns weniger konzentrieren, manch einer greift vermehrt zu Snacks, der andere verliert den Appetit. Es geht aber noch extremer: die Folgen von anhaltendem Stress reichen von Muskelverspannungen bis hin zur Magenschleimhautentzündung.
Doch warum stressen wir uns? Was macht das Ganze mit uns? Und wie können wir damit umgehen?

Je höher der Bildungsgrad, desto mehr Stress

Zahlen und Fakten zu Stress gibt es zu genüge: laut einer Studie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2016, die übrigens „Entspann dich, Deutschland“ heißt, fühlte sich fast ein Drittel der Deutschen regelmäßig gestresst. Die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen gab überdurchschnittlich oft an, manchmal oder häufig gestresst zu sein. Wenn man bedenkt, dass sich die meisten Studierenden in dieser Altersgruppe befinden, überrascht dies weniger, denn: „Der Stresslevel steigt mit dem Bildungsgrad“, je höher der Bildungsgrad, desto mehr Befragte fühlten sich regelmäßig gestresst.
Mit der Einführung des Bachelor-Master-Systems scheinen die Bedingungen für hohe Stresslevel noch besser geworden zu sein. Denn was dieses System auszeichnet, sind mehr Prüfungsleistungen und eine höhere Prüfungsdichte. Und tatsächlich ist Prüfungsstress laut einer Forsa-Umfrage der Hauptfaktor für Stress bei Studierenden. Weitere Ursachen sind Zeitdruck, finanzielle Sorgen, Zukunftsängste, Überforderung und Konkurrenzdruck. Wenn dieser Stress dann chronisch wird, d.h. „wenn die Häufigkeit und Intensität von Stressbelastungen die vorhandenen individuellen Ressourcen zur Stressbewältigung übersteigen“, kann es weitreichende Folgen nach sich ziehen: depressive Symptome, Schlafstörungen und Burnout werden immer wahrscheinlicher. Aber auch körperlich macht sich Stress bemerkbar. Kurzfristige Folgen wie Anspannung, Konzentrationsschwund, Steigerung der Herzfrequenz und des Blutdrucks, Adrenalinausschüttung und Veränderungen auf zellulärer Ebene können in langfristigen Folgen wie Ängsten, Burnout, psychosomatischen Beschwerden, Infektionsanfälligkeit oder sogar Krebs enden.
Dass Stress krank machen kann, ist nicht neu. Das bloße Wissen darum reicht jedoch nicht, um entspannter in die nächste Klausurenphase zu gehen. Wie können wir Stress also nachhaltig begegnen?

Ein Problem – zwei Ansätze

Jeder hat andere Strategien, um mit Stress umzugehen. Die einen prokrastinieren und meiden den Stressauslöser akribisch, die anderen versuchen es mit Entspannung und frischer Luft. Während Prokrastination den Stresslevel in der Regel nur steigert, könnten Entspannungstechniken und Meditation ein guter Ansatz sein.
Achtsamkeit und Resilienz sind Begriffe, die in wissenschaftlichen Publikationen zum Thema Stressbewältigung im Studium immer wieder zu lesen sind. Diejenigen, die Erfahrung mit Yoga haben, wissen, dass Achtsamkeit das bewusste Wahrnehmen des jetzigen Momentes ist, und das möglichst neutral und urteilslos. Resilienz ist laut Duden die „psychische Widerstandskraft; [die] Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen“, also einfach gesagt: die persönliche Belastbarkeit und Flexibilität. Auf den Seiten des Fachbereichs Psychologie und Sportwissenschaft (FB06) der JLU zum Thema Umgang mit Stress finden sich Eigenschaften, die Menschen mit hoher Resilienz auszeichnen: unter anderem sind Selbstwirksamkeit, d.h. das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen und Stärken, Gelassenheit, und die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen, aufgeführt.
Studien, die sich mit Resilienz beschäftigt haben, nennen Aspekte, um dem Stress im Studium zu begegnen. Besonders wichtig zu sein scheinen ein intaktes soziales Umfeld, sowie individuelle Problemlösefähigkeiten und Selbstbeherrschung, aber auch eine sinnvolle Gestaltung der Bildungssysteme, die eben solche Kompetenzen lehren. Die Selbstfürsorge und Inanspruchnahme von Hilfe, wenn diese benötigt wird, können Resilienz schaffen und fördern.
In diesem Zusammenhang bietet das ZfbK der JLU ein Studiencoaching als Unterstützung für Stress und Unsicherheiten im Studium an. Neben persönlichen Beratungen gibt es Veranstaltungen in Form von Webinaren, „Coffee Lectures“ in der Universitätsbibliothek und sogar einen Podcast zum Thema Stress und verschiedenen Bewältigungsstrategien.
Während Resilienz in einer akuten Stresssituation von Nutzen ist, bietet Achtsamkeit eine Art der Prävention im Umgang mit Stress. Eine Studie der präventiven Gesundheitsforschung der Uni Koblenz-Landau hat die Rolle der Achtsamkeit bei gestressten Studierenden geprüft. Verminderte Anspannung sowie mehr Freude konnten bei denjenigen Studierenden verzeichnet werden, die Achtsamkeit im Alltag ausübten, und deren Selbstwirksamkeitserwartung hoch war. Als Fazit sahen die Autoren die Notwendigkeit, diese Kompetenzen im Rahmen von Maßnahmen zur Stressreduktion und -prävention bei Studierenden zu fördern.

Handeln statt Jammern

Ob achtsam zu sein und psychische Widerstandskraft aufzubauen so leicht umzusetzen sind, lässt sich bezweifeln. Vor allem in stressigen Phasen ist die Versuchung gerade zu groß, im Selbstmitleid zu versinken und an seinen eigenen Fähigkeiten zu zweifeln. Doch vielleicht hilft es, ein paar Achtsamkeitsübungen in seinen Alltag einzubauen, eben dann, wenn es nicht gerade stressig ist, um die Mentalität für die stressigen Zeiten zu trainieren. Und vielleicht könnte man das ein oder andere Hilfsangebot der Uni in Anspruch nehmen, wenn einem der Stress über den Kopf wächst – das Studiencoaching des ZfbK trifft hier mit dem Slogan „Belastungen bewältigen • Kompetenzen ausbauen • Erfolg steigern“ genau ins Schwarze.
Stress ist im Studium leider nicht wegzudenken. Doch die Initiative zu ergreifen und Kompetenzen zu lernen, die über das Studium hinaus gehen und uns weiter bringen – das liegt in unserer Hand.

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