Vermisst ihr auch schon den Sommer? Wir haben da vielleicht einen Tipp für eure Sommerpläne. Einfach mal den Stress abschütteln, eine gute Zeit haben, zurück in die Jugend. Ganz nach diesem Motto fand das „Hokus Pokus Festival“ in Gießen statt. Um deutsche Hiphop-Legenden wie „Kool Savage“ oder neue Stars wie „Jazeek“ auf einem Festival zu sehen, fährt man eher zum „Splash!“ oder „Hip-Hop Open“ und nicht nach Gießen. Aber anscheinend ist das jetzt auch in der grauen Stadt ohne Meer möglich. Wir haben geschaut, ob es zu unserer Sommerroutine wird.

Ab in die Manege

Das „Hokus Pokus Festival“ hat bereits vorletztes Jahr stattgefunden und hat auch in dieses Mal viele Musikfans aus ganz Deutschland angelockt. Am Freitag, den 01.09., wurde das Festival um 13 Uhr in der EM Arena eröffnet. Weil wir arbeiten mussten, sind wir erst um 16 Uhr dazu gestoßen und haben Acts wie „Vega“ und „Mona Liza“ leider verpasst. Der Einlass ging sehr schnell. Nach einem kurzen Sicherheitscheck und einer Ticketkontrolle waren wir auf dem Festivalgelände im Schiffenbergertal. Entsprechend dem Zirkusmotto kamen uns am Eingang Akteure auf Stelzen und ein Clown entgegen.

Als Erstes wollten wir sehen, wie das Festival aufgebaut ist und was es zu bieten hat. Uns ist direkt aufgefallen, dass der vordere Bereich für die Performance der Musiker:innen gedacht war. Wenn man mal eine Pause vom Abfeiern an der Bühne braucht, gab es auf dem hinteren Bereich des Geländes noch genug Aktivitäten zum Ausprobieren, wie Bullenreiten, Tischtennis, Limbo und Lets Dance. Tätowieren lassen konnte man sich auch, entweder mit Tinte für die Ewigkeit oder mit Glitzer zum Abwaschen. Zusätzlich gab es die Möglichkeit, sein Glück am Greifarm oder Glücksrad zu probieren, wo man z.B. einen Handyventilator gewinnen konnte. Sollte mal der Akku leer sein – also der Handyakku – konnte das Handy kostenfrei an einer Ladestation geladen werden. Im gleichen Bereich des Geländes waren etwas abgelegen die sanitären Einrichtungen – die man auf den ersten Blick gar nicht so leicht gefunden hat. Dafür waren dort Security-Mitarbeitende und gute Beleuchtung für den Abend. Sollte man sich belästigt oder bedrängt fühlen, hat das Orga-Team Safewords („Wo geht’s nach Panama?“ oder „Ist Luisa da?“) eingeführt, mit denen man unmittelbar Hilfe vom Personal erhält.

Acts

Das „Hokus Pokus Festivel“ ist noch recht jung, trotzdem haben sie deutschlandweit bekannte Acts wie „Badmómzjay“, „Majan“, „Ski Aggu“,  „01099“ und „Bausa“ aus dem Hip-Hop und Rap Genre organisieren können. Leider sind am zweiten Tag nur neun von zehn geplanten Acts aufgetreten – Minuten vor seinem Auftritt wurde bekannt gegeben, dass Jazeek ausfällt. Trotz des Wetters sind die meisten Acts pünktlich oder nur mit minimaler Verzögerung auf die Bühne gekommen. Selbst wenn sie zu spät kamen, haben sie die vorgesehene Zeit gespielt. Eine Leinwand, auf der die Bühne im klassischen Sinne live übertragen, gab es nicht. Trotzdem waren die Künstler:innen fast von überall auf dem Festivalgelände gut zu sehen , außer dort, wo das Soundboard den Blick auf die Bühne versperrt hat. Besonders cool war, wenn Künstler:innen für ein Feature andere Künstler:innen, die am selben Tag performten, nochmal auf die Bühne geholt haben. So holte „Badmómzjay“ „Takt 32“ nochmal mit auf die Bühne oder „01099“ „Ski Aggu“.

Stimmung

Das Publikum war gut gelaunt und freundlich. Je später die Nacht wurde und auch mit zunehmendem Pegel ist die Stimmung aus unserer Perspektive auf dem gesamten Festivalgelände gut und respektvoll geblieben, was man vor allem an der Bühne gemerkt hat. Dort haben die Zuschauer laut mitgesungen, getanzt und mit den Künstlern interagiert, so wie man es sich bei einem Festival vorstellt. Der Höhepunkt war am Freitag ganz klar beim „Sido“ Auftritt, dem letzten Act des Tages. Unser persönlicher Favorit war die Rap-Gruppe „01099“ am Samstag. In der Nachrecherche haben wir herausgefunden, dass die Band bewusst auf sexistische Inhalte verzichtet, was sie uns im Nachgang noch sympathischer machte. Anders als bei „Sido“ kannten wir die Gruppe nicht so gut und wussten nur, dass sie Rap Musik mit Techno Elementen machen. Umso größer war die Überraschung dann, als einer der Bandmitglieder ein Saxophon-Solo performte.

(Musik-)Liebe geht durch den Magen

Essenstechnisch hat das „Hokus Pokus Festival“ einiges zu bieten: Man hat die Wahl zwischen Asiatisch, Pommes, Pizza, Spätzle, Burger, Bratwurst, Churros, Eis und noch vielem mehr. Veganes und vegetarisches Essen war auch einiges zu finden. Es waren verstärkt regionale Gastronomiebetriebe vor Ort wie: „Pizza Wolke“, „Heisszeit“ und der „Pulled Pork Burger“ vom Gießener Wochenmarkt. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis haben sich unserer Meinung nach die Pizza und der Pulled Pork Burger am meisten gelohnt. Die „Pizza Wolke“ Pizza war aber nicht nur bei uns beliebt, auch die anderen Festivalteilnehmer waren begeistert. Am Freitag war die Pizza um 21 Uhr schon ausverkauft und der Stand wurde geschlossen, so auch am Samstag. Links und rechts neben der Bühne waren zwei Getränkezelte. Ein 0,4 l Bier im Plastikbecher (inkl. Pfand) kostete 2 Token – umgerechnet 6 €, was unserer Meinung nach dem Standardfestivalpreis entspricht. Andere Festivalteilnehmer haben die Preise teilweise aber als zu teuer empfunden. Trotz großer Besucherzahlen ist die Bedienung schnell und effizient – ein großes Lob an die Mitarbeitenden.

Was kostet der Spaß?

Aktuell kosten die Karten im Vorverkauf für das Wochenende 119,99 € (inkl. RMV) und ab April 129,99 €, unserer Meinung nach nicht ganz günstig. Außerdem gibt es noch das „Friends for Friends“ Angebot für 199,99€, das einer Gruppentageskarte für drei Personen entspricht. Um auf dem Festival zahlen zu können, muss man sogenannte Tokens kauft, die man nicht nur bar, sondern auch mit EC-Karte kaufen kann. Uns war diese Bezahlart auf einem Festival neu und wir haben daher auch hier die Meinung der Besucher erfragt: „Man spart sich den Kopfschmerz mit dem Bargeld“, sagte eine Besucherin. Eine Andere fand den Bezahlvorgang durch die Tokens auch angenehmer, merkte aber an, dass man am Ende keinen Überblick darüber habe, wie viel Euro man tatsächlich ausgibt. Dem müssen wir auch zustimmen, so geht doch etwas mehr Geld für Pizza und Bier verloren, als wenn man bar bezahlt hätte.

Fast ins Wasser gefallen.

Das Wetter hat es mit dem Festival leider nicht ganz so gut gemeint – zumindest am ersten Tag. Denn da hat es in Strömen geschüttet, weshalb der Einlass auch um eine Stunde verschoben wurde. Kurzfristig reagierte der Veranstalter mit Regencapes, die man an der Kasse bekommen konnte. Die Teilnehmenden schien es aber nicht zu stören. „Der Regen hat irgendwie was“, sagte ein Teilnehmer. Die Fläche vor der Bühne war größtenteils sehr matschig, vor allem für Personen mit körperlicher Einschränkung war das sehr beschwerlich. Hier wäre es super gewesen, für Rollstuhlfahrer:innen den Weg z.B. mit einem Holzbrett leichter zugänglich zu machen. Am Samstag wurde der letzte Festivaltag jedoch mit Sonnenschein und warmen Temperaturen eingeleitet. Für die hohen Temperaturen hatten die Organisatoren geplant, kostenfreie Wasserspender aufzustellen, die jedoch nicht genehmigt wurden. Daher wurden kostenfreie 0,5l Wasserflaschen an der Bühne verteilt, von denen viele Teilnehmer auch Gebrauch machten.

Würden wir wiederkommen?

Auch dieses Jahr findet das Festival wieder statt, diesmal am 30.08. und 31.08. Würden wir wiederkommen? Das „Hokus Pokus Festival“ ist eine weitere Aktivität, die für Gießener und Dazugezogene eine gute Alternative zur verstaubten Bar und Partyszene ist. Mit dem lockeren und freundlichen Personal fühlt man sich in jeder Altersklasse gut aufgehoben. Positiv ist auch, wie schnell und flexibel auf die Wetterschwankungen reagiert wurde. Natürlich gibt es Punkte, die noch verbessert werden können, z.B. wie Bühne und Sitzplätze besser miteinander integriert werden können. Man merkt jedoch, mit wie viel Leidenschaft und Liebe das Festival von den Organisatoren auf die Beine gestellt wurde. Das hat sich spätestens dann bestätigt, als wir am Ausgang einen erschöpften und fröhlichen Shadi Souri getroffen haben, der mit seinem Team der MicDrop GmbH das Festival organisiert hat. „Hattet ihr Spaß?“, fragte er. Unsere Antwort war ein klares „Ja“. Zufrieden widmeten wir uns dem Nachhauseweg und er sich seinem ersten Drink des Abends. Also, ja, wir würden wiederkommen.

Wintana Habte

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